»Erfindung Europa« Thementage vom 10. bis 12. Februar

Besucher im Foyer © Birgit Hupfeld

In Inszenierungen, Vorträgen und Diskussionen widmeten sich die Thementage vom 10. bis 12. Februar der »Erfindung Europa«. Intellektuelle, Politikerinnen und Politiker sowie Aktivistinnen und Aktivisten formulierten an drei Tagen Ideen und Forderungen für Europa, die sie im Anschluss zur Diskussion stellten — ein Angebot, das beim Publikum auf große Resonanz stieß und gerne angenommen wurde. In der Panorama Bar, wo die Freitagsküche europäische Gerichte kochte, herrschte den ganzen Tag ein reges Kommen und Gehen. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, hier miteinander oder mit den  Referenten ins Gespräch zu kommen. Auch die Inszenierungen und das Programmkino fragten Samstag und Sonntag, wie es jetzt in Europa weitergehen soll, da die Europäische Union in einer ernstzunehmenden existenziellen Krise steckt. Die Europa-Initiativen, die sich am Samstag im Foyer des Schauspiel präsentierten, luden deswegen dazu ein, das durch neue Impulse gestärkte Interesse an Europa in ein nachhaltiges Engagement zu verwandeln.

 

Die Vorträge und Diskussionen zum Nachhören:

Erfindung Europa

Daniel Cohn-Bendit Werner Weidenfeld Michel Friedman Marcel Fratzscher Jakob Augstein
Daniel Cohn-Bendit, Werner Weidenfeld, Michel Friedman, Marcel Fratzscher, Jakob Augstein © Birgit Hupfeld


Beim Eröffnungspodium am Freitagabend diskutierte Michel Friedman mit Jakob Augstein, Daniel Cohn-Bendit, Marcel Fratzscher und Werner Weidenfeld über die Zukunft Europas. Dabei stand u.a. die Frage im Zentrum, ob die Europäische Union aufgrund ihrer grundlegenden Konstruktionsfehler überhaupt noch tragbar ist und ihre aktuelle Krise zu ihrem Zerfall oder zu neuen Aktionsräumen für eine politische Wiedergeburt führen wird.

 

      Erfindung Europa


Europa im Widerspruch mit sich selbst

Dirk Baecker

Dirk Baecker © Birgit Hupfeld

Der Kulturtheoretiker Dirk Baecker ging in seinem Vortrag und im anschließenden Gespräch mit Eberhard Nembach (Redaktionsleiter Politik, hr-iNFO) der Frage nach, was europäisches Denken ist, das dem Sprechen mit einer Stimme doch vorausgehen müsste, überlegte, ob Europa einen kulturellen Code besitzt, der die in Europa historisch verankerte kulturelle Diversität mit der Gewaltgeschichte des Kontinents verbindet, und lotete das Verhältnis von Machtanspruch und Machtverzicht in Europa aus.

      Vortrag von Dirk Baecker

 

 


Republik Europa oder Rückbau Europa

Ulrike GuŽrot kontra FrŽdŽric Lordon

Frédéric Lordon, Guillaume Paoli, Ulrike Guérot © Birgit Hupfeld

In ihren Vorträgen mit anschließendem Streitgespräch diskutierten Ulrike Guérot und Frédéric Lordon über die Forderung nach mehr oder weniger Europa. Dabei plädierte Ulrike Guérot für die Transformation der EU in eine Europäische Republik, die die Bürgerinnen und Bürger Europas endlich zum eigentlichen Souverän mache. Frédéric Lordon forderte hingegen u.a. die Abschaffung des Euros, da dieser sich niemals demokratisch organisieren lasse. Der Philosoph und Publizist Guillaume Paoli moderierte das Streitgespräch, das hier auf Französisch nachgehört werden kann.

      Republik Europa oder Rückbau Europa


Praxis Europa

Claus Leggewie, Roman LŽandre Schmidt, Mischa Gabowitsch, Felix Koch © Birgit Hupfeld

Claus Leggewie, Roman LŽandre Schmidt, Mischa Gabowitsch, Felix Koch © Birgit Hupfeld

Claus Leggewie und Roman Léandre Schmidt präsentierten gemeinsam mit Mischa Gabowitsch und Felix Koch ihre neue pro-europäische Initiative Praxis Europa, die sich nicht gegen bereits etablierte Europa-Initiativen aussprechen wollte, um »den Narzissmus der allerkleinsten Differenz auszutragen« (Claus Leggewie), sondern die den Anwesenden aufzeigen wollte, dass ein Engagement für Europa auch im Alltag und in bereits vorhandenen Strukturen möglich ist. Im Anschluss an das Podiumsgespräch konnte das Publikum mitdiskutieren, wie Europa-Befürworter sich weiter vernetzen und aktiv werden können.

      Praxis Europa


Eine 5. Internationale für Europa

Fabio De Masi (Die Linke), Srec«ko Horvat (DiEM25), Chantal Mouffe und Adrian Zandberg (Razem)

Srećko Horvat, Chantal Mouffe, Guillaume Paoli, Fabio De Masi und Adrian Zandberg © Birgit Hupfeld

Kann ein linker Populismus Europa aus der Krise führen? Fabio De Masi (Die Linke), Srećko Horvat (DiEM25), Chantal Mouffe und Adrian Zandberg (Razem) diskutierten in einem bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Chagallsaal über Strategien neuer linker Parteien und außerparlamentarischer Opposition in Europa. Moderiert wurde die Diskussion vom Philosophen und Publizisten Guillaume Paoli.

Leider konnte die Diskussion aufgrund eines technischen Deffekts nicht aufgezeichnet werden.

 

 


Welt aus den Fugen

Navid Kermani, Bascha Mika, Axel Honneth © Birgit Hupfeld

Seine Theaterreise unter dem Motto »Welt aus den Fugen« führte Navid Kermani am Sonntag zu den Thementagen ins Schauspiel Frankfurt, wo er mit dem Philosophen Axel Honneth über die Zukunft der Demokratie in Europa angesichts von Brexit, Terror, Trump und Aleppo sprach. Während Axel Honneth die Ursachen der europäischen Krise vor allem in einem deregulierten Kapitalismus und im Verlust des Fortschrittsglaubens sah und deswegen für ein umfassendes ökonomisches Erneuerungsprogramm für Europa plädierte, hob Navid Kermani die kulturellen Gründe für das Auseinanderdriften in Europa hervor und sprach sich dafür aus, gezielt die eigene Filterblase zu verlassen und den Dialog mit Andersdenkenden zu suchen. Moderiert wurde das Gespräch von Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau.

      Welt aus den Fugen

 

 

1 Kommentar

  1. Elsa Merten

    Mir gefällt nun der Begriff „Unterfütterung“….bezüglich einer Zusammenführung der verschiedenen europäischen Kulturen .
    Was da heißen kann, dass separat kleine Gruppierungen aus Sport, Politik, religiöser Herkunft etc. mit Gruppierungen der gleichen Art aus anderen Nationen Europas „Tuchfühlung “ aufnehmen ? Kommunikation /Austausch von Erfahrungen an der Basis zulassen…die andere Nation verstehen lernen…sich inspirieren lassen!!
    Ein besseres Verständnis für den jeweils anderen jenseits der Grenze wäre förderlich bzgl. gemeinsamer europäischer Entwicklung!!!
    Haben wir das nicht schon bei der Wiedervereinigung versäumt? ! Oder gab es ein Interesse dafür, dies versäumen zu lassen?
    Ein nur intellektueller europäischer Höhenflug könnte ein Abflug in dumpfe Nationalität werden…

    gt;

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